Regionen - Industrieroute Rheinschiene
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Regionen

Die Industrieroute Rheinschiene unterteilt sich in fünf Teilregionen. Sie sind historisch durch bestimmte Industriebranchen gekennzeichnet und gleichzeitig eng miteinander verzahnt. Gemeinsam bilden sie eine der vielfältigsten Industrielandschaften in Europa. So dominierte am Niederrhein lange die Textilindustrie, Steinkohle wurde nicht nur rechts des Rheins abgebaut, auch für den linken Niederrhein spielte sie eine große Rolle. Das Bergische Land war ein frühes Zentrum der Eisen- und chemischen Industrie und gab Impulse für die Orte am Rhein. Der Braunkohleabbau am Niederrhein hat eine neue Landschaft entstehen lassen und lieferte Grundstoffe und Energie für die Industrie entlang der eigentlichen Rheinschiene.

Niederrheinisches Steinkohlenrevier

Als westlicher Ausläufer des Ruhrkohlebergbaus ragt das Niederrheinische Steinkohlenrevier linksrheinisch in das Gebiet von Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Moers bis nach Kempen. 1854 fand Franz Haniel erstmals linksrheinisch bei Homberg Steinkohle und erbrachte damit den Nachweis, dass sich die Kohlelager an der Ruhr auch jenseits des Rheins fortsetzten. Im Zuge der Zechenkonsolidierung wurden 2001 die letzten drei linksrheinischen Zechen Friedrich Heinrich, Niederberg und Rheinland zum Bergwerk West zusammengelegt. 2012 wurde das Bergwerk West im Rahmen des Kohleausstiegs stillgelegt. Kamp-Lintfort ist bis heute durch den Bergbau in seiner Stadtstruktur geprägt. Denkmalwerte Zechenbauten, Bergarbeitersiedlungen und Bergehalden prägen das Stadt- und Landschaftsbild.

Textilregion Mittlerer Niederrhein

In einem Bogen von Mönchengladbach aus bis nach Krefeld reicht die Textilregion Mittlerer Niederrhein. Mönchengladbach trug im 19. Jahrhundert aufgrund seiner zahlreichen Baumwollbetriebe und den dazugehörigen Maschinenbauern den Beinamen „Rheinisches Manchester“. Ihre Spuren sind im Stadtbild nicht nur in Fabrikanlagen, sondern auch im Wohnungsbau sichtbar. In Krefeld, dem anderen Schwerpunktraum der Textilregion, hat sich seit dem 18. Jahrhundert unter dem Einfluss protestantischer Flüchtlinge eine Samt- und Seidenherstellung entwickelt. Noch heute sind die Krawatten ein Markenzeichen Krefelds. Historisch ließe sich die Region über den Rhein nach Düsseldorf und Ratingen fortführen, wo mit dem LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford die älteste Fabrik auf dem Kontinent zu finden ist.

Bergisches Land

In den Tälern der Wupper und ihrer Nebenflüsse liegen die Anfänge der Industrialisierung. Nicht umsonst befindet sich das Museum für Frühindustrialisierung in Wuppertal. Die reichlich vorhandene Wasserkraft der Flüsse, die unzählige Mühlen, vor allem Hämmer und Schleifkotten antrieb, aber auch der Erzreichtum im Bensberger Revier ließen hier früh protoindustrielle Zentren entstehen. Solinger Schneidwaren genossen schon vor dem 19. Jahrhundert Weltruf. Remscheid war und ist berühmt für seine Werkzeugproduktion. Mit dieser wirtschaftlichen Kraft wurde das Bergische Land zum Impulsgeber auch für das Rheinland. Die Verzahnungen sind vielfältig. So gab die erste westdeutsche Eisenbahn von Elberfeld kommend den wirtschaftlichen Startschuss für Düsseldorf. Auch Bayer hat seinen Ursprung im heutigen Wuppertal. Viele ehemalige Industrieanlagen sind heute spannende Orte der Industriekultur.

Die Rheinschiene

Entlang des Rheins zwischen Bonn und Duisburg liegt immer noch eine der industriellen Herzkammern Europas. Die Stadtlandschaft hier ist ohne die rasante Entwicklung im Zuge der Industrialisierung nicht denkbar. Beiderseits des Rheins als wichtigste Transportachse entstanden imponierende Hafenanlagen. Beeindruckende Brückenbauten ermöglichen den reibungslosen Verkehr zwischen den beiden Rheinseiten. Hier ließen sich Unternehmen von Weltruf nieder und wurden Erfindungen gemacht, die die Welt revolutionierten, wie der Otto-Motor in Köln, Aspirin bei Bayer oder Persil bei Henkel. Neben den Häfen ist die chemische Industrie das Markenzeichen der Rheinschiene. Die Nähe zu den Kohlenrevieren, der Wasserbedarf, die Ableitmöglichkeiten und der Warenverkehr auf dem Wasser ließen Orte wie Köln, Wesseling, Leverkusen, Dormagen, Düsseldorf und Krefeld zu bedeutenden Standorten der chemischen Industrie werden.

Rheinisches Braunkohlenrevier

Keine andere Industrie hat ihre Region so nachhaltig verändert wie der Tagebau des größten Braunkohlenreviers Europas in der Kölner Bucht. Ganze Orte mussten den riesigen Baggern weichen, eine Landschaft aus über 300 Meter tiefen Gruben und ebenso hohen Abraumhalden entstand. Die rheinische Braunkohle wurde erst im 17. Jh. als Brennstoff erkannt. Seit den 1870er Jahren, vor allem aber nach 1900 setzte sich der industrielle Tagebau durch, der Brikettfabriken, Großkraftwerke und die chemische Industrie belieferte. Spätestens in der Mitte des 21. Jahrhunderts wird der Abbau auslaufen. Die Braunkohleverstromung wird aus Klimaschutzgründen keine Zukunft haben. Die Seen, die in den ehemaligen Gruben entstehen sollen, werden am Ende des Jahrhunderts zu den größten Seen Deutschlands gehören. Industriekulturell wird das Revier u.a. durch die Straße der Energie erschlossen.